Herz-Ass Wander Taxi Villgraten

Herz-Ass Wander-Taxi Villgraten

Sommer
SIE WANDERN – WIR FAHREN

Wanderroute Herz-Ass "Rund um die Villgrater Berge"

Details

Almen

Almen sind Hochweiden im Gebirge, sie liegen entweder oberhalb der Waldgrenze, wo natürlicher Rasen zu finden ist oder sie sind durch Rodung von Wald entstanden. Für viele Bergtäler unserer Heimat war die Almwirtschaft die erste, dauerhafte Form menschlicher Nutzung. Die Almhütte – Unterkunft für SennerInnen und Hirten - wird hier „Kaser“ oder „Kammer“ genannt. Sie besteht meist aus zwei Geschoßen, wobei im oberen Bereich die Wohn- und Vorratsräume liegen und im unteren Teil der Stall. Benannt werden die Hütten nach dem Hof, zu dem sie gehören oder nach der Alm, auf der sie sich befinden. Im Villgraten dienen heute viele dieser Behausungen nicht mehr ihrem einstigen Zweck. Häufig werden sie an erholungssuchende Gäste vermietet, die hier Ruhe und Ursprünglichkeit finden. Die Gsieser Almhütten werden hingegen meist noch wie eh und je genutzt, in einigen Hütten wird jedoch als Nebenverdienst „Almausschank“ betrieben. Neben den Almhütten liegen die meist umzäunten „Tummfelder“, das sind Wiesen, die mit den im Stall anfallenden Mist gedüngt werden. Daran grenzen die ungedüngten Wiesen und Weiden. Im späten Frühjahr wird das Vieh auf die Alm aufgetrieben. Der Aufenthalt auf den Hochweiden ist für den Gesundheitszustand und die Kondition der Tiere sehr förderlich: Sie ernähren sich von leicht verdaulichen Gräsern und Kräutern und müssen sich zur Nahrungsaufnahme mehr bewegen als im Tal bzw. im Stall. Im Herbst wird das Vieh wieder zum heimatlichen Hof gebracht – in Gsies findet der Almabtrieb immer am 2. Samstag im Oktober statt. Für diesen Weg ins Tal wird den Rindern eine Glocke umgehängt, nur ein Tier – die „Kranzkuh“ - wird besonders geschmückt.

Bergmahd

Die Heumahd auf der Alm begann ungefähr ab Mitte Juli und endete Mitte August. In früheren Zeiten hat dabei die gesamte Großfamilie mit Knechten und Mägden mitgeholfen. Je nach Größe des Hofes bzw. der Alm mähten mehrere Männer - die „Mohda“ – (zum Teil aber auch Frauen) mit der Sense die Bergwiesen. Das Heu zusammenzurechen war dann größtenteils Aufgabe der Frauen und Kinder. Auf den Gsieser Almen wurde es sodann in „Blochn“ – das sind große Tücher aus Leinen – gepackt, damit es in die „Heuschupfe“ (Scheune) getragen werden konnte, wo es bis zum Winter gelagert wurde. Hier sind die Wiesen oft weniger steil und das Gras kürzer als im Villgratental - man hat das Heu also in einem Tuch getragen, das man mit beiden Händen fassen musste. In Villgraten war es eher üblich, das Heu zu einem „Pallan“ (Heuballen) zu binden. Dazu wurde es auf einen am Boden aufgebreiteten Strick gelegt, der in einer bestimmten Art und Weise über das aufgestockte Heu geschlungen und schlussendlich zusammengeschnürt wurde. Beim „Pallan“ - tragen hatte man eine Hand frei, das war notwendig, um sich auf den steilen Villgrater Bergwiesen abstützen zu können. Heute erledigt die Bergmahd meist der Besitzer mit seinen Familienangehörigen. Soweit als möglich wird mit Bergmähmaschinen gearbeitet, nur mehr in sehr steilem Gelände kommt die Sense zum Einsatz. Der Traktor bringt das Heu zur „Schupfe“ oder ins Tal zum Hof. In unwegsamen Gelände wird das Heu auch heute noch auf die oben beschriebene Art und Weise transportiert.

Vieh

Schafe und Rinder machen in dieser Gegend den größten Anteil am Viehbestand aus. Zum Teil werden auch Ziegen gehalten. Die Anzahl an Schweinen und Hühnern ist eher gering - sie dienen meist zur Selbstversorgung der Bauern. Der Bestand an Schafen ist vor allem im Villgratental sehr hoch. Sie sind äußerst genügsam und werden im Sommer auf die Hochweiden aufgetrieben. In früheren Jahren wurden hier ausschließlich Steinschafe gezüchtet, heute sind verschiedene Rassen zu finden, vorherrschend sind Berg- und Steinschafe. Ein Hauptgrund der Schafhaltung ist der Verkauf von Fleisch, das in der heutigen Zeit immer begehrter wird. Aber auch Felle sowie verschiedenste Erzeugnisse aus Wolle und Schafmilch werden hier hergestellt und verkauft. Bei den Rindern war bis in die 60-er Jahre die Rasse der Pinzgauer dominierend. Diese wurde dann meist ersetzt durch das Fleckvieh (Simmenthaler Rasse) da diese „neue“ Rasse am Markt bessere Preise erzielte. Ein wichtiger Einkommenszweig war in Gsies die Ochsenmast. Diese waren bekannt für ihr schmackhaftes Fleisch. Die kastrierten Pinzgauerstiere wurden ca. ein Jahr lang mit größter Sorgfalt und mit dem besten Futter gemästet und dann verkauft. Heute ist die Ochsenzucht wieder im Kommen - ein sog. Almochsenverein wurde gegründet und zu Ostern findet in St. Lorenzen die Osterochsenversteigerung statt. Ziegen, hier „Goasse“ genannt, lieferten früher hauptsächlich Milch für die Hirten. Die Ziegenmilch konnte im Gegensatz zur Kuhmilch nicht an die Molkerei verkauft werden. Heute betreibt man die Ziegenzucht eher als Hobby. Ihre Milch wird meist an Kälber verfüttert, zum Teil wird sie auch zu Ziegenkäse verarbeitet.

Sennerinnen und Hirten

Auf der Alm hatten meist die Frauen die Aufsicht. Um ihre Arbeit kurz zu beschreiben, soll hier der Tagesablauf der Sennerinnen in Gsies erwähnt werden: Täglich nach dem Melken und der restlichen Stallarbeit gingen sie von der Alm herunter zum Hof, um dort bei der Feldarbeit zu helfen. Erst am späten Nachmittag machten sie sich wieder auf den Weg hinauf - die Wegzeiten lagen zwischen ein und eineinhalb Stunden. Dann wurden die Kühe gemolken, die anfallende Milch wurde bis spätabends zu Butter, Käse und anderen Milchprodukten verarbeitet. Am Morgen und am Abend musste zudem für den Hirten gekocht werden. Übernachtet haben die Sennerinnen immer auf der Alm. In Villgraten gingen die „Almleit“ (Almleute) während des Sommers nur selten ins Tal - bei einem plötzlichen Schlechtwettereinbruch halfen sie aber bei der Heuarbeit am Hof mit. Sie hatten auf der Alm vollauf zu tun. Eine ihrer beschwerlichen Aufgaben war das sog. „Miate“- schneiden. Dabei wurde das Gras an den für das Vieh unzugänglichen Stellen mit einer Sichel geschnitten und frisch verfüttert. Die Hirten hatten einst die Aufgabe, das Vieh in den Sommermonaten den ganzen Tag zu beaufsichtigen. Hauptsächlich wurden Rinder gehütet, Schafe und Ziegen gingen meist ihre eigenen Wege. In Gsies verrichteten diese Arbeit Buben, in Villgraten meist Männer. Heute werden die Weiden vielfach durch Elektrozäune begrenzt - eine dauernde Beaufsichtigung ist daher nicht mehr nötig. Die Almen sind teilweise auch durch Güterwege erschlossen und werden daher nach Möglichkeit vom Hof aus bewirtschaftet.

Heuziehen

Das in den „Schupfen“ (Scheunen) gelagerte Heu von den Bergwiesen wurde erst im Winter ins Tal gebracht, da es auf dem Schnee leichter transportiert werden konnte. Zudem war das Futter auf dem Hof zum Teil aufgebraucht und es war wieder Platz im Stadel. Man wartete also, bis ausreichend Schnee gefallen war. Dann machte sich eine Gruppe von Männern in aller Früh auf den Weg. Zuerst mussten Heuwege – sogenannte „Heuriesen“ - angelegt werden. Der Schnee wurde dabei mit einem eigenen Gerät, der „Krukke“, zur Seite geräumt und mit den Schneereifen und den Schuhen festgetreten. Das Heu aus der „Almschupfe“ wurde dann in „Birlan“ (große Heuballen) gefasst, und mit der „Ferggl“ - einem Stangengerüst zum Ziehen – ins Tal gebracht. Hier musste es auf einen Heuschlitten umgepackt werden, mit dem es sodann zum Hof transportiert wurde. Ein „Birl“ wog ca. 200 - 300kg. Der Keilerbauer hatte von Pfoi ca. 50-60 „Birlan“ zu ziehen. Das Heuziehen war aufgrund der Lawinengefahr oftmals eine lebensgefährliche Arbeit. Nichts desto trotz war es eine willkommene und abenteuerliche Abwechslung, es war eine Art Gemeinschaftsarbeit mehrerer Bauern. Nach getaner Arbeit gab es auf den Höfen gutes Essen und oftmals wurde danach in der Stube stundenlang Karten gespielt. Heute wird das Heuziehen kaum mehr ausgeübt, weil das Heu im Sommer mit dem Traktor meist direkt ins Tal gebracht wird.

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