Das Naturdenkmal Sinkersee in Innervillgraten

Das Areal des Sinkersees

Ehe ihn die Behörde zum Naturdenkmal erklärte, wurde der Sinkersee wenig beachtet. Durchaus zu Unrecht: Das kleine Gewässer im vorderen Teil des Arntales (Innervillgraten), hinter der Klamm und orthographisch rechts vom Stallerbach gelegen, hat seine Eigentümlichkeiten. „'s Sinkerseabl“, sagen die Einheimischen. Das weist auf eine Geländesenke hin und auf geringe Ausdehnung. „Seabl“ ist im Villgrater Dialekt die Verkleinerungsform von See. Und tatsächlich hat dieser Weiher zwischen Bach und Bergfuß keineswegs die Oberfläche, um etwa mit einem Boot herumrudern zu können, abgesehen davon, dass solches Treiben an einem Naturkleinod unstatthaft wäre. So klein, wie er auf den ersten Blick wirkt, ist der Sinkersee aber gar nicht. Der Seespiegel reicht weit hinein unter die Ansammlung von Felsblöcken und grobem Schutt. Und früher soll der See noch weit größer gewesen sein, erzählen die Alten. Sie sagen auch, dass das Gewässer unterirdisch vom Hang her gespeist wird. Eine Schicht aus Lehm verhindert das Versickern am Fuß des Hanges. Im Sommer sind von der Seite her nur kleine Rinnsale zu sehen, die plötzlich versiegen und nach Regen wieder erscheinen. In sehr regenarmen Sommern trocknet das „Seabl“ aus. Wie stark aber die unterirdischen Quellen schütten können, zeigt bei Normalwetter der Abfluss in den Stallerbach.
Das Areal des Sinkersees gehört Bauern am Eggeberg als Heimweide. Deren Kinder haben dort das Vieh gehütet. Für sie war, wie sie heute noch begeistert und liebevoll erzählen, 's Sinkerseabl mit seiner Umrahmung ein Stück paradiesischer Freiheit, „wilde schean“, wie es hier für „sehr schön“ heißt. Und immer gab es Neues zu entdecken: Im feuchten Moorwald waren verschiedene Moose zu bewundern, zwischen denen Schwarz- und Preiselbeeren und der stachelige Wacholder wachsen. Im Blockwald über Geröll und Steinblöcken gedeihen in den Klüften besonders viele Moosarten, wie der Forstingenieur und ausgewiesene Villgraten-Kenner Anton Draxl erläutert: „Hier passt ihnen das Klima - Schatten, Zugluft, Luftfeuchtigkeit. Moose spielen im Wasserhaushalt einer Landschaft eine wichtige Rolle. Die Moosdecke im Wald speichert nach Regenfällen viel Wasser und lässt es langsam in den Boden versickern. Das Torfmoos etwa kann mit Blatt und Stängel das Vierzigfache seines Eigengewichts an Wasser aufnehmen.“

Vielfalt alter Einfriedungsformen
Die Behörde verlangte bei der Erklärung zum Naturdenkmal, das Areal um den Sinkersee einzuzäunen. Daraufhin wurde im Tourismusverband die Idee geboren, den Besuchern eine Vorstellung von den vielfältigen Formen der alten Holzzäune zu geben. Es fand sich ein geschickter Mann, der die Zäune aufstellte. 
Gezäunt  wurde, um das Weidevieh von Äckern und Wiesen und von fremden Grundstücken fernzuhalten. „Gefällszäune“ sichern Vieh vor gefährlichen Stellen.

Die Zäune ums Sinkerseabl)
1) „Schwartenzaun“: Schwarte (Schwartling) heißt das erste oder letzte vom Stamm gesägte Brett mit Rinde. Diese rindigen gewölbten Außenbretter waren wenig wert, aber gegen Verwitterung beständig. Auf den senkrecht gestellten, oben zugespitzten Brettern rinnt der Regen gut ab. Der Nachteil: Diese Zäune müssen genagelt werden. Die handgeschmiedeten Eisennägel von früher waren sehr teuer.

2) „Ragglzaun“: Waagrechte Holzstangen werden von schräg in den Boden geschlagenen Ästen, Stecken oder Spelten (Spaltstücke aus Stangen) kreuzweise verschränkt gehalten. Er ist ein leicht ohne Eisennägel herzustellender Zaun, der im Herbst schnell abgelegt werden kann – in Bereichen, wo regelmäßig Lawinen abgehen oder starker Schneedruck zu erwarten ist.

3) „Flechtzaun“: Senkrechte Holzstangen sind mit Weidenringen verflochten. Die dazwischen liegenden waagrechten Stangen sind mit den „Säulen“ durch Holznägel verbunden. Ringe wurden auch aus Birkenzweigen oder dünnen Fichtenästen gedreht. Der aufwändige Zaun erfordert sorgfältige Arbeit.

4) „Schrankzaun“ („Steckenzaun“): Er ist der am häufigsten aufgestellte Zaun. Zwischen eigenem Feld und Wald ist er der billigste, weil das Material ja nichts kostet – es ist leicht herzunehmen. Der Bauer braucht keine Nägel und keinen Bohrer. Nur ein Beil ist notwendig, zum Zurichten von dicken Ästen, Stecken und Spelten und zum Schlagen in den Boden. So wie der „Ragglzaun“ ist er schnell abzulegen.

5) „Luckenzaun“: Die waagrechten Stangen können aus den Löchern der Säulen beliebig herausgenommen und wieder hineingesteckt werden, um z. B. Weidevieh durchzutreiben. Diese Löcher wurden aufwändig mit dem Bohrer verfertigt.

Text: DI Anton Draxl

Inhalt aus-/einblenden
(1000)