Kirchtag

Kirchtag wird vor allem am Tag des Schutzpatrons der jeweiligen Kirche im Ort gefeiert, oftmals findet auch nach dem Almabtrieb ein zweiter Feiertag dieser Art statt. Zu diesem Fest machte sich früher auch die Bevölkerung aus der umliegenden Talschaft auf. „Kemp la“ (kommt nur) lautete z.B. die Aufforderung der Gsieser an die Villgrater zum „Kirschta“ zu kommen. Besuch und Gegenbesuch zu diesen besonderen Feiertagen trugen zur Pflege einer guten Nachbarschaft bei.
An den Kirchtagen, die nach dem Almabtrieb im Oktober gefeiert wurden, gab es bei den Bauern ein festliches Essen, zu dem Verwandte und Bekannte eingeladen wurden. Speisen, die zu diesem Anlass auf den Tisch kamen, waren beispielsweise Gerstensuppe mit Selchfleisch, geröstete Erdäpfel mit Nieren und Herz, Leberknödel und Rübenkraut, „Wirschtekoch“ (gekochte Gerste mit Blut und Fleisch, mit Minze gewürzt). Als Nachspeise gab es „Nigilan“ (kleine Germteigkugeln in Schmalz gebacken, oft auch mit Zuckerwasser und Mohn verfeinert) oder „Plattlan“ (flache Scheiben aus Germteig, ebenso mit Mohn und Zuckerwasser verfeinert). Anschließend wurde mit Musik und Tanz weitergefeiert.
Am Kirchtag des Schutzpatrons wurde weniger ausgelassen gefeiert. Nach der Heiligen Messe fand eine Prozession statt. Zu diesem festlichen Anlass wurde von den Frauen das „pairische Gewand“ getragen. Es ist ein langärmeliges schwarzes Kleid aus Rips, verziert mit Stickereien und Biesen, dazu wird eine seidene bzw. brokatene Schürze umgebunden. Ein aufwendig gestalteter Hut mit vielen Verzierungen und langen Bändern wurde vielfach als Kopfschmuck getragen. Der Festtagsanzug der Männer war ein einfacher, aber maßgeschneiderter Lodenanzug. Heute werden die Kirchtage kaum mehr wie oben beschrieben gefeiert.

Unwetter

Das Wetter spielt seit jeher eine große Rolle in der Landwirtschaft. Durch Blitzschlag kann ein ganzer Hof in kurzer Zeit zerstört werden, da die alten Gebäude ja großteils aus Holz gebaut sind. Starkregen kann Murenabgänge auslösen, Hagel vernichtet die Ernte. Diese Unwetter, sog. „Hoachwetter“, wollte man also mit allen möglichen Mitteln abwehren. So sind heute noch auf Kuppen und Geländekanten, die besonders dem Wetter ausgesetzt sind, Wetterkreuze zu finden. Es sind meist einfache Holzkreuze, die auf dem senkrechten Balken des Hauptkreuzes ein weiteres aus Eisen haben, das Blitze anziehen soll. Die Kreuze, die in Hofnähe aufgestellt wurden, sollten ebenso verhindern, dass der Blitz ins Haus einschlägt. Natürlich versuchte man bei einem schweren Gewitter auch durch das Beten des Rosenkranzes oder durch Anrufung bestimmter Schutzheiliger Hilfe „von oben“ zu erhalten. Dazu wurden geweihte Pflanzen ins Feuer gelegt, die das Unheil abwenden sollten. Man verwendete entweder Öl- und Palmzweige (Weiden) - „Giwaicht“ - vom Palmsonntag oder Kräuter, die zu Mariä Himmelfahrt geweiht wurden. An diesem Tag, dem 15. August, wird ein Blumenstrauß, der sog. „Inserfraunbusch“ gesegnet. Er besteht z.B. aus „Rafflgras“ (Rainfarn), „Ogsnbluim“ (Arnika), „Pergaschtern“ (Alpenaster), Edelweiß, Almrosen, Ringelblumen und „Himbastauden“ (Himbeerzweigen). In beiden Tälern gibt es auch heute noch wie eh und je den Brauch des „Wetterläutens“ – man hofft, dass das Gewitter durch das läuten der Kirchenglocken vorbeizieht, ohne Unheil anzurichten.

Butter und Käse

Die Milch wird zu verschiedensten Produkten wie Butter, Butterschmalz, Topfen, Käse und „Schotten“ weiterverarbeitet. Zur Herstellung von Butter wurde die Milch früher in einen Holzkübel - den „Schloaka“ oder „Schlaaka“ - gegossen, der mit einem Brett verschlossen wurde. Durch ein Loch in diesem Deckel wurde eine Stange gesteckt und die Milch damit so lange gerührt, bis daraus Butter entstand. Aus diesem hat man dann durch Kochen, Schmalz gewonnen. Es wurde in Holzfässern gelagert und größtenteils weiterverkauft. In beiden Tälern werden auch heute noch verschiedenste Arten von Käse erzeugt. Den „Ziger“ stellt man im Villgratental aus saurer („gestockter“) Milch her, die mit Salz und Schnittlauch vermischt wird. Bei einer anderen Art der Käsezubereitung wird der entrahmten Milch Lab (ein Ferment) beigegeben und dann ein paar Tage stehen gelassen, bis sie sauer und dick geworden ist. Zum Austropfen kommt der Topfen in einen Sack aus groben Leinen, wird danach auf ein Brett gelegt und mit einem Stein beschwert, bis der Käse fest ist und abschließend mit Salz und Schnittlauch gewürzt. Den sogenannten „Schotten“, stellt man her, indem man obigen Käse knetet und zu Kugeln formt, die dann getrocknet werden. Die Erzeugnisse, die auf der Alm hergestellt wurden, mussten ins Tal gebracht werden. Dazu war es in Gsies früher üblich, dass die Frauen das „Schaffl “ (Holzbottich) mit Milch und Butter auf dem Kopf transportierten. Zur „Abfederung“ der schweren Last wurde ein „Ridl“ - ein flacher Polster aus Loden mit Rosshaar oder Watte gefüllt - auf den Kopf gelegt. Männer benutzten hingegen zum Milchtragen meist eiserne Kannen, sogenannte „Bugglkandln“, die man am Rücken trug.

Heilkräuter

Da man früher nur selten zum Arzt ging, behalf man sich mit verschiedensten Heilkräutern bzw. deren Mischungen zur Linderung von gesundheitlichen Problemen und viele dieser „Kraitlan“ werden auch heute noch verwendet. Einige dieser Gebirgspflanzen sollen hier angeführt werden:

Das Isländische Moos (Cetraria islandica), die „Goasstraube“, ist eine Strauchflechte des Hochgebirges. Es wirkt antiseptisch, appetitanregend, krampflösend und hilft gegen Brechreiz. Mit Huflattich (Tussilago farfara) und Quendel (Thymus serpyllum) wird es als „Tê fir di Huischte“ (Tee gegen Husten) verwendet.
Der Wacholder (Juniperus communis ssp. Alpina), „Kranewitt“, wächst meist strauchartig auf kargen sonnigen Plätzen des Hochgebirges. Seine Beeren wirken auf den Verdauungstrakt. Ein alter Spruch aus dem Villgratental lautet: „Iss Kranewitter und Pimpinell (Pimpernelle), dann wirst du sterbm nicht so schnell“.
Die Blüten der Arnika (Arnica montana), „Ogsnbluim“, „Madebluim“, gelten als Wundmittel mit blutstillender Wirkung, Arnikaschnaps wird bei Muskelbeschwerden eingerieben.
Ein Erkennungsmerkmal des Johanniskrauts (Hypericum perforatum), „Herrgotts Wunderkraut“, ist die rote Färbung, wenn man die Blüten zwischen den Fingern zerreibt. Es soll bei Rheumatismus, Hexenschuss, Brandwunden sowie depressiven Verstimmungen helfen. In vorchristlicher Zeit wurden Kränze von Johanniskraut auf die Dächer geworfen, um sich vor Blitzen zu schützen. Auch als Liebesorakel wurde die Pflanze verwendet. Die Blüten wurden dabei in einem Leinentüchlein zerdrückt: „Ist die Liebe gut, kommt rotes Blut, ist die Liebe aus, kommt Wasser heraus“.

Drechsler

Das „Traxlwerk“ (Drechseln) ist eine alte Tradition in Gsies, die bis heute ausgeübt wird. Auf einer sogenannten Drehbank werden Teller und Schüsseln hergestellt. Dazu wird meist das gut zu verarbeitende Holz der Zirbe (Pinus cembra) verwendet. Der „Zirm“ ist ein Hochgebirgsbaum der Alpen, der sehr langsam wächst und bis zu 1000 Jahre alt werden kann. Das gelbliche Holz verströmt einen charakteristischen Duft. Zum Drechseln werden schöne gerade Stämme ausgesucht. Vom dickeren Ende des Schaftes wird ein Stück abgeschnitten, in Faserrichtung halbiert und zu einer schüsselähnlichen Form zugehackt. Diese Teile werden dann in die Drehbank eingespannt und mit speziellen Dreheisen zu Gefäßen geformt. So entstehen aus einem Stück Holz mehrere Schüsseln verschiedener Größe. Früher wurde das größte Gefäß zum Aufbewahren von Schmalz, die nächst kleineren zum Entrahmen der Milch oder zum Auftragen von Essen und die kleinsten z.B. als Katzenschüsseln verwendet. In vergangenen Zeiten wurde das Holz meist an Ort und Stelle, also auf dem Berg, verarbeitet. Als Drehbank verwendete man dort Holzgestelle, die mit Stricken zusammengebunden an Baumstämmen befestigt wurden. Eine Person hielt das Dreheisen, die andere sorgte für den Antrieb. Heute wird diese Arbeit mit einer elektrisch angetriebenen Drehbank ausgeführt.

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